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Geschichte des St. Antonius Schützenvereines Nordbrock

Kapellengemeinde Nordbrock

 

 

Die Geschichte der Kapellengemeinde Nordbrock

1923

Der Plan, eine Kapelle in Nordbrock zu bauen bestand schon lange. Damit würde der am

Sonntag bis zu 9 km weite Kirchweg zu Fuß zur Dingdener Pankratiuskirche vielen

Nordbrocker Familien erspart bleiben. Besonders im Winter ist diese Strecke sehr

beschwerlich. Im Sommer dieses Jahres werden die Weichen gesetzt. Pfarrer Anton

Baurichter, Vikar Karl Spaning und Kaplan Franz Janmieling aus Dingden sowie Lehrer

Waldemar Rohde und die Kirchenvorstandsmitglieder Wilhelm Hufe, Alois Bengeforth und

Gerhard Frankemölle aus Nordbrock setzen sich für den Bau einer neuen Kapelle ein.

In der Frage des Grundstücks treten die Nordbrocker an die politische Gemeinde Dingden

heran. Am 27. Juni wird von der Gemeindevertretung daraufhin folgender Beschluss

gefasst: „Auf Antrag der Bauerschaft Nordbrock, die Gemeinde Dingden möge zum Bau

einer Kapelle ein Grundstück in der Nähe der Schule Nordbrock abtreten, beschließt die

Gemeindevertretung einstimmig, dass sie mit der Übereignung eines Grundstücks in einer

angemessenen Größe zum Zweck der Erbauung einer Kapelle grundsätzlich einverstanden

ist. Die Auflassung soll erfolgen, sobald der Bau einer Kapelle feststeht. Alsdann soll auch

die Lage und die Größe der Parzelle noch näher bestimmt werden“. Anwesend in dieser

Sitzung sind: Amtmann Dörner, Beigeordneter Kösters, Gemeindevorsteher Hoffmann

sowie die Gemeinderatsmitglieder Freesmann, Daniels, Nienhaus, Thünte, Looks, Vehns,

Hörnemann und Hufe.

Die Nordbrocker wollen – trotz Hyperinflation – je Morgen 5 Pfund Fleisch für den

Kapellenbau stiften. Einige „Grenzfamilien“ aus Berg und Krommert verpflichten sich mit.

Für sie ist die Kapelle günstiger zu erreichen als die Kirchen in Dingden oder Rhede. Jede

Familie leistet eine Abgabe. Nachgewiesen sind:

Name Größe des Hofes (Morgen) zu liefern (in Pfund)

Belting, Theodor 25? [nicht angegeben] 125

Bengeforth, Alois 20 100

Blomen, Heinrich 25 150

Daniels, Bernhard 5 25

Daniels, Wilhelm 220 1.200

Frankemölle, Gerhard 30 150? [nicht angegeben]

Groß-Bölting, Wilhelm 90 450

Groß-Heynk, Johann 40 300

Groß-Langenhoff, Bernhard 250 1.300

Hartmann, Johann 160 900

Hartmann, Wilhelm 30 150

Hegering, Bernhard 25 150

Hegering, Wilhelm 25 150

Hufe, August 25 150

Hufe, Wilhelm 215 1.200

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Joosten, Theodor 20 100

Keiten-Schmitz, Heinrich 80 400

Knipping, Bernhard 40 250

Leiting, Gerhard 50 250

Möllmann, Gerhard 180 100

Möllmann, Heinrich 45 250

Mumbeck, August 15 75

Paus, Heinrich 45 250

Ritte, Bernhard 55 300

Rittmann, Gerhard 45 300

Schäfer, Hermann 15 75

Schlebusch, Albert 100 600

Schweers, Johann 90 450

Siemen, Bernhard 40 500

Sieverdingbeck, Heinrich 180 1.000

Sondermann, Bernhard 40 250

Stegemann, Wilhelm 20 120

Terhardt 12 60

Terhorst, Karl 120 700

van der Linde 17 100

Wellmann, Wilhelm 20 100

Wülfing 80? [nicht angegeben] 500

Wullweber 15? [nicht angegeben] 75

Familie Paus, genannt Homesmann, spendet das 1.400 m2 große Grundstück gegenüber

der Schule und lässt es vermessen. Damit tritt man vom ursprünglichen Plan ab, ein

öffentliches Grundstück in Anspruch zu nehmen. Architekt Tinnefeldt aus Wesel fertigt im

August die Pläne an und übernimmt die Bauleitung. Als Maurer wird Meister Nachtigall aus

Homer gewonnen, die Gebrüder Schlatt aus Krommert übernehmen die Arbeiten am Dach.

Die Schreinerarbeiten führt Wilhelm Stegemann aus Nordbrock aus, während die

Kirchenbänke von Heinrich Hitpaß und die Türen (zweiflüglige Haupteingangstür und die

Sakristeitür) von Heinrich Schmänk aus Dingden hergestellt werden. Heinrich Schmänk

sorgt auch für die Installation der elektrischen Anlagen. Peter Goldkuhle aus Rhede

zeichnet sich für die Ausmalung verantwortlich.

Das Bischöfliche Generalvikariat in Münster genehmigt am 26. September den Bauplan

unter der Bedingung, dass die Dingdener Pfarrgemeinde für die Seelsorge der zukünftigen

Kapellengemeinde verantwortlich ist und einen Priester bereitstellt. Pfarrer Baurichter

sichert dies dem Bischof ausdrücklich zu.

Am 29. September, dem Fest des hl. Erzengels Michael, findet die feierliche

Grundsteinlegung durch den Dingdener Pfarrer Baurichter statt. Zum Kirchenpatron wählt

man den hl. Antonius den Großen, zur Ehre des Pfarrers Baurichter. Zudem ist St.

Antonius Schutzherr der Landwirtschaft, der Viehzucht und Helfer gegen Feuer und

Krankheiten sowie der Name des Nordbrocker Schützenvereins. Fast alle Nordbrocker

nehmen an diesem festlichen Akt teil, ebenso Amtmann Josef Dörner und der Landrat des

Kreises Rees, Dr. Theodor Schneemann [er besitzt das Gut Stamm in Nordbrock].

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Eine Roggenkollekte wird im Spätherbst vom Amt Dingden genehmigt. Damit soll weiteres

Geld zur Errichtung der Kapelle aufgebracht werden. Die Kollekte bringt einen

„ansehnlichen Betrag“ ein.

Mit der Währungsreform am 15. November wird die Rentenmark festgesetzt (1

Rentenmark entspricht nun 1 Billion Mark). Dadurch sind die Geldmittel für den

Kapellenbau erschöpft und der Rohbau liegt vorerst still. Eine weitere Folge der

Währungsreform sind die stark gesunkenen Fleischpreise. Sie fallen extrem ab und sind

noch unter denen der Vorkriegszeit.

1924

Der Kapellenverein, ein eingetragener Verein zur Fertigstellung und Unterhaltung der

Kapelle, wird ins Leben gerufen. Vorsitzender des Kapellenvereins ist der jeweilige Pfarrer

von Dingden, stellvertretender Vorsitzender wird der Gemeindevorsteher Nordbrocks,

Schriftführer und Rendant der jeweilige Lehrer an der Nordbrocker Schule [falls alle

Mitglieder des Vereins sind]. Ein stellvertretender Schriftführer ist zu wählen. Am 20.

Januar nimmt der neue Verein in seiner konstituierenden Sitzung seine Satzung an,

wonach alle Vereinsmitglieder monatlich einen Betrag von 5 Goldpfennigen je Morgen

entrichten. Einstimmig gewählt werden Pfarrer Anton Baurichter zum 1. Vorsitzenden,

Wilhelm Hufe zum stellvertretender Vorsitzenden, Waldemar Rohde zum Schriftführer und

Kassierer und Alois Bengeforth zum stellvertretenden Schriftführer und Kassierer. Die

Eintragung beim Amtsgericht Bocholt erfolgt am 9. Februar unter Nr. 44. Dadurch erhofft

man, von der Bank ein Darlehen für den Bau zu erhalten. Doch dazu kommt es nicht.

Zu Ostern, 16. April, beginnen die Bauarbeiten wieder, die aber nur sehr zögernd

verlaufen.

Zu dem Münsteraner Bischof Johannes Poggenburg, der gerade in Loikum die

Jugendlichen firmt, entsendet Nordbrock eine Abordnung. Der Bischof gewährt daraufhin

zur Fertigstellung der Kapelle eine Geldspende in Höhe von 3.000,00 RM.

Aus der Schlosskapelle Krechting erwirbt man einen alten barocken Altaraufsatz aus Holz.

Er stammt aus der Zeit um 1670 und erhält in der Kapelle seinen Platz.

Am 23. April erfolgt die Anmeldung bei der RWE AG zum Bezug von Strom. [Damit ist die

Kapelle das wahrscheinlich erste mit elektrischer Energie versorgte Gebäude. Erst 1927

begann in Nordbrock die allgemeine Elektrifizierung.]

Der Bischof von Münster erteilt für Dingden Binationsvollmacht. „Einem der Priester, die

der Kirchengemeinde Dingden zugeschrieben sind, erteilen wir die Genehmigung gültig auf

drei Jahre, an den Sonn- und Testtagen für den Fall, dass ein dritter Priester, der

zelebrieren könnte, nicht da ist, zwei heilige [Opfer] zu feiern, wobei jedoch das feste

Verbot bestehen bleibt, das [Mess–] Stipendium für die zweite Messe zum eigenen Nutzen

anzunehmen, mit Ausnahme des in unserem Brief vom 15. April 1898 bezeichneten Falls

(Kleyboldt, I. Sammlung Seite 165) und unter Wahrung all dessen, was gemäß der

entsprechenden Rubriken zu beachten ist.

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Für den Fall der Erkrankung oder der erlaubten Abwesenheit gilt diese Genehmigung auch

für den Vertreter.“ So kann in Zukunft die Kapellengemeinde Nordbrock von der Dingdener

Pfarrgeistlichkeit betreut werden.

Pfarrer Baurichter weiht am 8. Juli die neue Kapelle, unter großer Beteiligung der ganzen

Gemeinde, [nach dem Formular Rit. Rom Tit. VIII. cap 27] feierlich ein. Danach wird

erstmalig im neuen Gotteshaus ein festliches Levitenamt von Pfarrer Baurichter, assistiert

von den beiden Hilfsgeistlichen, gefeiert. Als Ehrengäste nehmen Amtmann Dörner und

Landrat Schneemann an der Messe teil. Zur Weihe singt der Cäcilienchor der Dingdener

Kirchengemeinde. Im Anschluss der Weihe findet ein gemeinsames Festessen der

Gemeinde mit der Pfarrgeistlichkeit sowie dem Amtmann und dem Landrat als Ehrengäste

in der Scheune von Groß-Langenhoff statt. [Hermann Küpper aus Dingden lieferte für

dieses Fest: Puddingpulver, Mandeln, Rosinen, Himbeeren, Muskat, Krepp-Papier, Vanille,

Zucker, Mehl, 1 Flasche Likör, 3 1⁄2 l Schnaps, Schnittchen und Bier.]

Links und rechts des Portals kleine, hochrechteckige Fenster; im Tympanon hängt ein

schlichtes lateinisches Kreuz. Im Giebel befinden sich rechts und links kleine Rundfenster.

Während der Ortgang in der unteren Hälfte des Giebeldreiecks mit holländischen

Dreiecken verziert ist, ist die obere Hälfte mit Brettern verschalt, darin sind zwei kleine

quadratische Sprossenfenster. Die nördliche Langhauswand, an die im Osten die Sakristei

mit Pultdach angebaut ist, hat zwei, die südliche drei Rundbogenfenster.

Die dreifach gestufte Decke des einschiffigen Saales wird von einer offenen, hölzernen

Binderkonstruktion getragen, die auf Konsolen aufliegt. Der Chor wird durch einen

Triumphbogen vom Langhaus getrennt. An der Westfassade befindet sich die Empore von

2,0 m x 5,0 m Größe. Die Kapelle ist (nach der Beschreibung des Architekten) für 72 Sitz- und 80 Stehplätze für Erwachsene und 60 Kinderplätze eingerichtet. Auf eine Kanzel wird

verzichtet. Sie passt aus architektonischen Gründen nicht in die Kapelle. Der Priester

verkündet das Evangelium vom Altar aus. Damit wagt man einen sehr mutigen und

modernen Schritt.

Ab sofort ist – auf bischöfliche Anmerkung – jeden Sonn- und gebotenen Feiertag, mit

Ausnahme des Fronleichnamsfestes, um 8:30 Uhr und dienstags um 8:00 Uhr eine hl.

Messe mit kurzer Predigt. Auch soll den Nordbrockern „Gelegenheit zum Beichten und zum

Empfang der hl. Kommunion geboten werden“. Die Gottesdienste werden von einem der

Pfarrgeistlichen zelebriert. Er hält in den Sommermonaten auch Christenlehre ab. Pro

Messe erhält er 10 Rentenmark. Der Ortsgeistliche wird in Dingden abgeholt und nach

dem Gottesdienst wieder zurück gebracht. Da der Geistliche sich den ganzen Vormittag in

Nordbrock aufhält, wird er von der Kapellengemeinde beköstigt. Dies regelt ein Vertrag

zwischen dem Nordbrocker Kapellenverein und dem Dingdener Kirchenvorstand vom 8.

Juli. Die gesamten Baukosten der Kapelle lassen sich aufgrund der starken

Geldentwertung bzw. der Währungsumstellung nicht ermitteln.

Am 23. Juni repariert J. Rindlisbacher aus Bocholt ein Harmonium für 12,50 Rentenmark.

Es ist also schon ein Instrument vorhanden. Größe, Alter sowie dessen Disposition sind

nicht bekannt. Wahrscheinlich war mit dieser Reparatur das Harmonium wieder soweit

hergerichtet, dass es für die Zwecke der Kapelle tauglich war. Lehrer Rohde begleitet die

Gemeinde während der Gottesdienste musikalisch.

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Damit die Geistlichen und Messdiener nicht ständig auf fremde Utensilien angewiesen sind,

werden vier römische Kasel [= Messgewänder des Priesters] aus Seidendamast in den

liturgischen Farben weiß, violett, rot und oliv, eine Leinenalbe mit sechs eingesetzten

Motiven, eine Beichtstola, zwei Altarglocken [Dreiklang aus verniertem Messing], zwei

Glasmesskännchen mit Teller, ein Weihwasserkessel, zwei Messdienergarnituren

[bestehend aus zwei Messdienertalare und zwei Messdienerröckchen] sowie diverse

Zubehör- und Gebrauchsgegenstände für insgesamt 996,75 Goldmark gekauft.

Schreinermeister Heinrich Hitpaß aus Dingden fertigt für 358,00 Goldmark einen

Beichtstuhl und einen Tisch.

Zu Weihnachten wird eine Krippe für 240,00 Goldmark angeschafft und aufgestellt. Die

Krippe stammt aus der Bildhauerei A. Mormann aus Wiedenbrück.

1925

Auf Antrag des Kapellenvereins vom 7. Januar wird die Zahlung des Betrags je Messe für

ein Jahr eingestellt. Der Kirchenvorstand genehmigt den Antrag in seiner Sitzung am 11.

Januar 1925. „In Anbetracht der nötigen Ausgaben für die noch fehlenden Sachen“ sei „es

für den Verein eine schwere Aufgabe, die regelmäßigen Zahlungen pünktlich zu leisten“.

Am 12. Februar wird das Harmonium erneut von J. Rindlisbacher repariert. Wieder werden

12,50 Rentenmark berechnet.

Aus der Glockengießerei Petit & Edelbrock, Gescher, werden für 1.008,25 Goldmark zwei

kleine Bronzeglocken und ein Glockenstuhl angeschafft:

Antonius-Glocke: Auf den Ton „Fis“ gestimmt, Ø 0,52 m, 83 kg,

Angelus-Glocke: Auf den Ton „A“ gestimmt, Ø 0,43 cm, 50 kg.

Beide Glocken wurden vom Domchordirektor Cornter aus Münster geprüft. Nach seiner

Beurteilung sind die Töne „rein und klangschön. Das Intervall der kleinen Terz ist gut

getroffen; das Gesamtgeläute ist von recht lieblicher Wirkung“. Am 21. Mai (Christi

Himmelfahrt) werden diese Glocken von Vikar Spaning, der für diese Handlung eigens von

Pfarrer Baurichter „subdelegiert“ wird, geweiht. Aufgehängt werden die beiden Glocken

am darauf folgenden Tag.

Im Sommer baut Albert Schlebusch sein Haus auf dem Grundstück der alten Schule. An

der Kapelle werden deshalb das Holzkruzifix und das Hagelkreuz neu aufgestellt. Das

Kruzifix stand ursprünglich auf dem Dingdener Friedhof, der 1803 angelegt wurde (heute

der alte Friedhof an der Krechtinger Straße). Um 1880 holte Bauer Hufe das Kreuz von

Dingden ab, um es an der Schule aufzustellen. Das Hagelkreuz wurde am 1. August 1877

nach einem schweren Hagelschlag an der Nordbrocker Schule aufgestellt, 1919 beim

Abbruch des alten Schulgebäudes entfernt und auf dem Hof Hufe aufbewahrt. 1921 wurde

es dann erneut an der neuen Schule aufgestellt.

Die Mitgliederversammlung des Kapellenvereins beschließt am 30. Dezember, einen neuen

Ofen für Sakristei und einen Ofenschirm für die Kapelle anzuschaffen.

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1926

Ein Antrag auf Binationsvollmacht wird vom Bischöflichen Generalvikariat am 15. März

abgelehnt. In der Begründung heißt es: „Es scheint uns nicht zulässig, dass dem

Kapuzinerpater, der alle 2 Monate in Nordbrock Aushilfe leistet, Binationsvollmacht erteilt

wird. Wir können nicht erkennen, weshalb an diesen Sonntagen eine zweite hl. Messe

notwendig sein sollte, während sie an den Sonntagen, an welchen von Dingden aus der

Gottesdienst in Nordbrock besorgt wird, entbehrt werden kann. (...) Würde die Bination

den Pater gestattet, so würde sich auch bald ergeben, dass die an allen Sonn- und

Feiertagen verlangt würde.“

Damit auch von Nordbrock aus Versehgänge durchgeführt werden sollen, werden eine

Krankenpatene, ein Ölgefäß, eine Burse, eine Bursentasche, ein Korporale sowie ein

Purifikatorium zum Preis von 116,90 RM erworben.

Franz Groß-Langenhoff beginnt in St. Antonius seine Tätigkeit als „Kirchenmusiker“.

Familie Leiting erklärt sich bereit, bis auf weiteres den Kapellengarten zu pflegen.

Stirbt ein Mitglied des Kapellenvereins oder der Angehörigen, soll vormittags zwischen

9:00 Uhr und 11:00 Uhr dreimal jeweils fünf Minuten geläutet werden. Dafür sprechen

sich die Nordbrocker aus. Bei Erwachsenen wird mit beiden, bei Kindern nur mit der

großen Glocke geläutet.

1927

Der Wunsch des Kapellenvereins in der Kapelle das Allerheiligste aufzubewahren wird vom

Bischöflichen Generalvikariat einstweilig nicht gestattet. „Nach den Bestimmungen des

Kirchlichen Gesetzbuches can. 1255 kann die Aufbewahrung des Allerheiligsten nur dann

gestattet werden, wenn ein Geistlicher da ist, der die Sorge für das Allerheiligste hat“.

Dieses teilt das Generalvikariat mit Schreiben vom 29. Januar mit.

Eine schwarze römische Kasel mit kleinen Teilen, eine schwarze Pultdecke und ein „Missale

defunctum“ (= Totenmessbuch) werden für 200,60 RM angeschafft. Nun können auch

Seelenämter in Nordbrock zelebriert werden.

1928

Es werden neue Fenster mit Bleiverglasung von der Firma Josef Menke aus Goch in der

Kapelle eingesetzt. 450,00 RM kostet dieses Vorhaben. Lehrer Rohde hat sich der

Anschaffung der neuen Fenster besonders angenommen.

Zwei Figuren, die Gottesmutter Maria und eine Herz-Jesu-Statue, werden von der Familie

W. Daniels gestiftet und erhalten ihren Platz am Altar im kleinen Nordbrocker Gotteshaus.

Ab diesem Jahr fällt – neben Fronleichnam – auch am Sonntag nach der Oktav des

Fronleichnamsfestes, am Sonntag Quinquagesima [= der 50. Sonntag] und am Sonntag

der äußeren Feier des Kirchenpatrons der Gottesdienst in Nordbrock aus.

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Für die Dauer von drei Jahren wird dem aushilfeleistenden Pater [an etwa acht Sonn- und

Feiertagen hält er in St. Antonius den Gottesdienst] Binationsvollmacht erteilt. Das

bedeutet, dass er an einem Tag zwei Messen lesen darf.

1929

Pfarrer Baurichter verzichtet am 1. Mai aus Altersgründen [er ist bereits 80 Jahre alt] auf

seine Pfarrstelle in Dingden. Am 15. Mai bezieht er eine Wohnung im St.-Rochus-Hospital

in Telgte.

Am 11. August feiert Pfarrer Krimphoff die erste Sonntagsmesse in Nordbrock mit der

Kapellengemeinde [am 27. Mai wurde er in Dingden eingeführt]. Gegen 8:30 Uhr

versammeln sich die sonntäglichen Kirchenbesucher aus Nordbrock, Berg und Krommert

vor der festlich geschmückten Kapelle. Zwei Kinder tragen dem neuen Pfarrer ein kurzes

Willkommensgedicht vor und überreichen ihm einen Strauß Margaritenblumen.

Anschließend begrüßt Wilhelm Hufe, Vizevorsitzender des Kapellenvereins, den Geistlichen

im Namen der Nordbrocker Gemeinde. Hiernach beginnt der Pfarrer mit dem feierlichen

Hochamt. In der Predigt weist er darauf hin, dass es der Jugend von Nordbrock leichter

gemacht sei als in ihren Vorjahren, sodass die Kapelle gleichzeitig ein Segen für die

Nordbrocker Schulkinder sei. Er verspricht, den Kapellenverein jederzeit und gern in seinen

Anliegen zu unterstützen, soweit es in seinen Kräften stehe. Nach dem Gottesdienst trifft

sich die Gemeinde zusammen mit ihrem neuen Pfarrer zu einem gemütlichen

Zusammensein in der Wirtschaft Schlebusch.

Auf der Generalversammlung des Nordbrocker Kapellenvereins erklärt sich Familie

Rittmann bereit, künftig dem Geistlichen Kost und Unterkunft zu gewähren.

1930

Eine Krankenlaterne [= Lampe zum Gebrauch für Versehgänge] aus verniertem Messing

für 24,00 RM wird erworben.

Neue Teppiche für die Kapelle werden zum Rosenkranzfest gekauft. Von allen Mitgliedern

des Kapellenvereins wird 1⁄4 des Jagdgeldes gesammelt. Diese Sammlung ergibt die stolze

Summe von 419,50 RM. Die Dingdener Firma Freesmann stellte die Läufer her.

1931

Bernhard Terörde gewinnt auf einer Verlosung in Marienthal eine Marienstatue. Der

Marienthaler Kunstpfarrer Winkelmann hatte für sie keinen Platz mehr nachdem er seine

Klosterkirche mit modernen Kunstwerken ausgestattet hat. In der Nordbrocker Kapelle

findet die Madonna nun – nachdem sie in Bocholt bei der Kunsthandlung Karl Wissing für

195,00 RM restauriert wurde – ihre Aufstellung.

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Die Firma Josef Büsken aus Raesfeld nimmt umfangreiche Malerarbeiten im Innen- und

Außenraum vor. Als Kosten entstehen dafür 194,64 RM.

Für Nordbrock steht – trotz der Neuerungen in der Kapelle – ein „kämpferisches Jahr“

bevor. Die Fronten zwischen Kapellenverein und Pfarrer Krimphoff verhärten sich

zusehens. Nach dem einstimmigen Beschluss des Kirchenvorstandes von St. Pankratius

„an den Sonn- und gebotenen Feiertagen, wo für Nordbrock kein Priester zu haben ist und

in der Pfarrkirche außer den beiden Pfarrgeistlichen noch ein Aushilfe leistender Pater

vorhanden ist, (...) mit Gutheißung des Pfarrers entweder der Kaplan oder der Pater – falls

sie wollen – eine hl. Messe in Nordbrock übernehmen. Für diese Fälle wird von der jährlich

nach Nordbrock abzuführenden Summe der Kirchensteuer aus Nordbrock der Betrag pro

Sonntag oder Feiertag abgezogen, den der Kapellenverein sonst zu zahlen pflegt, also

heute 15 Mark. Es wird grundsätzlich und praktisch daran festgehalten, daß in allen Fällen,

wo die Pfarrkirche keine Aushilfen für sich bekommen kann, Nordbrock für sich selbst die

nötige Aushilfe verlangen muß, falls der Gottesdienst in Nordbrock nicht ausfallen soll.

Falls in Dingden wieder zwei Kapläne angestellt werden sollten, wird ein neuer Vertrag

geschlossen werden“. Ab dem 1. Januar wird dieser Beschluss wirksam. In Nordbrock löst

er heftige Proteste aus, da somit der Vertrag aus 1924 praktisch ausgehebelt wird.

Vermutlich ist diese Entscheidung Grundlage für einen Brief, den das Generalvikariat in

Münster vom Kapellenverein erhält:

„1.) Der Kapellenverein Nordbrock e. V. zahlt seit seinem Bestehen (1924) für jede hl. Messe

an Sonn- und Feiertagen an Dingden 10 M. Es ist nicht möglich, daß dieser Betrag weiter

gezahlt wird. Zum Verständnis hierzu folgende Zahlen:

der Kapellenverein umfaßt 30 Haushaltungen (meist Kleinbauern und Pächter) mit 230 Seelen.

Die Mitglieder des Kapellenvereins haben an kirchlichen Lasten aufzubringen:

a) für den Kapellenverein ca. 600 M. für die hl. Messen in der Kapelle, für den Unterhalt der

Kapelle und für Neuanschaffungen 400 – 600 M. und mehr. In den verflossenen Jahren

betrugen die Ausgaben des Kapellenvereins laut Buch: 1925 – 3.655,11 M., 1926 – 993,97

M., 1927 – 1.461,79 M., 1928 – 1.878,06 M., 1929 –1.422,49 M., 1930 – 1.041,93 M.

b) Dazu die Kirchensteuern an Dingden, die in diesem Jahre 780 M. für die Mitglieder des

Kapellenvereins betrugen.

Diese Lasten sind für die 30 Haushaltungen untragbar. Der Kapellenverein bittet deshalb das

hochwürdigste Generalvikariat, den Betrag von 10 M. für jede hl. Messe zu lassen oder so sehr

zu ermäßigen, daß er der Leistungsfähigkeit des Kapellenvereins angemessen ist.

2.) Bei der Einweihung der Kapelle wurde vom hochwürdigsten Herrn Erzbischof [Bischof

Johannes Poggenburg trug seit 1930 den Ehrentitel des Titularerzbischofs] bestimmt, daß nur

einmal im Jahr am Fronleichnamstag kein Gottesdienst in der Kapelle sein soll. Jetzt sind

schon 4 Sonntage daraus geworden. Wohl ist es nicht immer möglich, daß der Dienst in der

Kapelle von Dingden aus versehen wird. Das hochwürdigste Generalvikariat möge dann doch

nicht die Gelegenheit nehmen Aushilfe von anderswo in Anspruch zu nehmen und bedenken,

daß wir in Nordbrock, das 1 1⁄2 – 2 Wegstunden von Dingden liegt, 30 – 35 alte Leute und 20

Kinder haben, dann keine Gelegenheit geboten ihre Sonntagspflicht zu erfüllen. Außerdem hat

uns jetzt auch der Herr Pfarrer von Dingden die hl. Messe am Aschermittwoch aus

unbekannten Gründen gestrichen.

Der Kapellenverein bittet nun das hochwürdigste Generalvikariatvorstehendes wohlwollend zu

prüfen und den 1924 abgeschlossenen Vertrag in obigem Sinne abzuändern.“

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Dieser Brief bzw. dessen Abschrift trägt kein Datum, steht aber – mit großer

Wahrscheinlichkeit – in Verbindung mit einem zweiten Schreiben vom Oktober 1931. Hier

beschwert sich Lehrer Rohde heftig beim Bischof:

„Es ist jetzt beinahe 1 Jahr her, als ich (...) die Wünsche des Nordbrocker Kapellenvereins

vorgetragen und das Versprechen des Hochwürdigsten Herrn mit nach Hause nahm, baldigst

die Angelegenheit zu regeln. Im Juli habe ich noch einmal daran erinnert, und im August mit

dem Hochwürdigsten Generalvikar persönlich darüber gesprochen. Trotzdem sind wir heute

keinen Schritt weiter. Hat man in Münster für uns kein Interesse, so möge es uns doch

mitgeteilt werden. Der Hochwürdigste Herr wird es und wohl nachfühlen können wie es ist,

wenn man tagaus tagein danach gefragt wird und nur mit Achselzucken antworten kann. Dazu

kommt noch die Verständnislosigkeit des Pfarrers von Dingden, so daß der Eifer für die gute

Sache verloren gehen muß.

So bitte ich den Hochwürdigsten Herrn Erzbischof noch einmal, recht bald diese Angelegenheit

zu regeln. Auf der in kürze stattfindenden Generalversammlung muß ich mich rechtfertigen

können, oder ich muß mein Amt im Dienste der Kapelle dem Verein zur Verfügung stellen.“

Wie spätere Quittungen zeigen, hält man am alten Vertrag fest. Nordbrock vergütet

weiterhin die Gottesdienste der aushelfenden Geistlichen mit 10,00 RM. Die Pfarrei

Dingden vereinnahmt allerdings die jährlich eingehenden Kirchensteuern indirekt. Am

Jahresende werden sie dem Kapellenverein zurücküberwiesen.

Um Kosten zu sparen, besetzt das Bistum die Stelle des zweiten Hilfsgeistlichen vorläufig

nicht wieder. So schreibt am 29. Dezember Pfarrer Krimphoff „an den Vorsitzenden des

Kapellenvereins Nordbrock, Herrn Landwirt Hufe. Nordbrock:

Der Herr Kaplan Spaning teilte mir heute morgen mit, dass er am Donnerstag, dem 31. Dez.

seine neue Stelle in Ramsdorf antreten werde. Da wir zu zweien den Gottesdienst in

Nordbrock nicht mitversehen können, so ist das Kapuzinerkloster in Bocholt bereit, dem

Kapellenverein an den Sonn- und Feiertagen einen Pater zu geben. Der Pater ist also bereit,

vom 1. Januar an den Gottesdienst in Nordbrock zu halten. Der Herr Pater kommt mit dem

Morgenzuge um 7,56 Uhr und muss vom Bahnhof Dingden immer um 8 Uhr abgeholt werden

und zu dem Zuge um 11,24 oder 12,54 Uhr Mittags zurückgebracht werden. Die finanzielle

Regelung der Angelegenheit wird der Kirchenvorstand demnächst beschließen. Das Kloster

weiß Bescheid zwar, aber geben Sie, bitte, dem Kloster sofort zur Vorsicht noch einmal

Nachricht, dass es am Neujahrstage mit dem Gottesdienste beginnen möge.“

1932

Der sonntägliche Gottesdienst wird nun um 7:00 Uhr und 9:00 Uhr von Pater Victor Isele

O. M. Cap aus Bocholt zelebriert. Die Dienstagsmesse fällt dafür aus. Den Patres werden

jährlich 675,00 RM als Honorar gezahlt. Die Bination gestattet das Generalvikariat am 19.

Januar.

Heinrich Hegering aus Nordbrock stellt für die Kapelle zwei Kniebänke [jeweils 6,80 m]

und eine Rückenlehne für die Empore her. Dafür berechnet er 17,60 RM.

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1933

Der Altar wird im März durch die Firma Büsken aus Raesfeld ausgebessert, erweitert und

neu gestrichen. Hierfür werden 74,00 RM in Rechnung gestellt.

Im Winter beginnt Malermeister Josef Büsken mit der Ausmalung der Kapelle. Es bietet

sich an, einen Teil der Kosten als Zuschuss des Reiches [im Rahmen eines

Arbeitsbeschaffungsprogramms] erstatten zu lassen. Am 28. November wird ein

entsprechender Antrag gestellt. Schon am 1. Dezember wird „zur Bestreitung der Kosten

für die auszuführenden Instandsetzungs- und Ergänzungsarbeiten auf dem Grundstück

Dingden-Nordbrock die Gewährung eines Reichszuschusses in Höhe von 20 % der aus 681

RM festgesetzten veranschlagten Kosten mithin bis zum Betrage von 136 RM (...) in

Aussicht gestellt“. Dieser Zuschuss dient zur Unterstützung größerer Baumaßnahmen.

Ferner wird auf die Dauer von sechs Jahren eine Verzinsung von jährlich 4 % des selbst zu

tragenden Betrages gewährt.

1934

Die Endabrechnung über die Ausmalungsarbeiten der Firma Büsken weist 781,18 RM

Kosten auf.

Am 15. März wird der Reichszuschuss über 136,00 RM bar gewährt.

Die Patres dürfen an Sonn- und Feiertagen zwei Messen abhalten. Dies erlaubt das

Bischöfliche Generalvikariat mit Schreiben vom 15. August:

„Der Herr Lehrer Roosen [gemeint ist Lehrer Rohde] in Nordbrock hat hier fernmündlich

mitgeteilt, dass für den nächsten Sonntag und die folgenden Sonntage noch kein Priester für

die Abhaltung des Gottesdienstes in Nordbrock gewonnen sei. Hierdurch müssen wir Ihnen

erklären, dass wir nicht in der Lage sind, einen Priester dorthin zu beordern, weil von den

Seminarpriestern keiner mehr frei ist. Der Assistent im Konvikt in Lüdinghausen, Herr Kaplan

Schwarte, hält sich zur Zeit in den Ferien in Münster, Lütkegasse Nr. 8 auf. Wir geben anheim,

ob Sie sich an ihn wenden wollen, sofern die Kosten getragen werden können. Wenn Herr

Schwarte nicht bereit ist oder ein anderer Priester von Ihnen nicht direkt gewonnen werden

kann, wird, wenn in Nordbrock wenigstens eine hl. Messe gelesen werden muss, einer der

dortigen Herren aushelfen müssen. Sollte die Vollmacht dazu erforderlich sein, dass dieser

Herr eine hl. Messe in Dingden und eine in Nordbrock zelebriert, so geben wir hierdurch die

Binationsvollmacht“.

Lehrer Waldemar Rohde wird Ende August nach Lankern versetzt. Franz Groß-Langenhoff

übernimmt daraufhin das Amt des Kapellenmusikers in Nordbrock vollständig.

Für 210,00 RM wird im Oktober eine neue gotische Kasel aus modernem Brokat gekauft.

1935

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Im Frühjahr werden die Anlagen um die Kapelle neu angepflanzt. Von jedem Nordbrocker

Haushalt wird eine Person zu diesen Arbeiten gestellt.

Firma Rindlisbacher aus Bocholt stimmt und repariert das Harmonium für 18,00 RM.

Laut Vereinbarung vom 8. Juni 1935 sorgt die Firma W. van Clewe aus Dingden dafür, den

Geistlichen aus Dingden abzuholen, ihn nach Nordbrock zum Gottesdienst zu fahren und

anschließend wieder nach Dingden zu bringen. Pro Sonntag berechnet er dafür 4,00 RM.

Die Beiträge für den Kapellenverein werden darum um 2,00 RM erhöht.

Dingden erhält am 31. August wieder einen zweiten Geistlichen: Kaplan Josef Drees. Er

tritt seine Stelle am 14. September an. So kann von nun an Vikar Ludwig Haversath die

Gottesdienste in Nordbrock versehen. Er wird um 7:15 Uhr in Dingden abgeholt und feiert

sonntags um 7:30 Uhr und um 9:30 Uhr den Gottesdienst. Ebenso ist auch dienstags

wieder eine hl. Messe. Da die bisherige Binationsvollmacht den Kapuzinerpatres galt, wird

den Ortsgeistlichen am 3. Oktober gestattet, zu binieren.

Auf der Mitgliederversammlung des Kapellenvereins am 26. Dezember wird u. a.

beschlossen, dass die Messdiener einen jährlichen Ausflug unternehmen sollen. Die Kosten

hierfür trägt der Kapellenverein.

1936

Ein Kreuzweg des süddeutschen Malers Matthäus Schiestl, der für 400,00 RM beschafft

wird, erinnert ab sofort an das Leiden und Sterben Christi.

Die Satzung des Kapellenvereins wird geändert. Vorsitzender bleibt der Dingdener Pfarrer.

Die übrigen Vorstandsmitglieder werden durch Wahl bestimmt. Die einzelnen übrigen

Positionen im Vorstand sind damit nicht mehr an besondere Ämter gekoppelt.

Die Sakristei ist zu klein geworden. Maurermeister Albert Übbing aus Krechting vergrößert

sie um 1,50 m in östlicher Richtung. Dies verursacht 101,70 RM Kosten. Hier wird nun ein

neuer Schrank aufgestellt. Dieser Schrank wurde von der Firma Johann Klein-Wiele aus

Berg gefertigt. Damit er in die vergrößerte Sakristei passt, wird der vorhandene Schrank

entsprechend umgearbeitet. Die Kosten dafür belaufen sich auf 338,00 RM. Die

Malerarbeiten führt wieder Josef Büsken für 24,82 RM aus.

1937

Es findet ab November dienstags um 6:00 Uhr [eine Stunde vor Schulbeginn] eine hl.

Messe statt. Ebenfalls wird nach diesem Gottesdienst Christenlehre gehalten.

Wie Vikar Haversath in der Kirchenchronik bemerkt, nimmt der Kommunionempfang „in

Nordbrock erfreulich zu“. 4.800 Kommunionen werden innerhalb dieses Jahres ausgeteilt.

1938

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Gründung des Vereines

1921 gründete Nordbrock einen eigenen Schützenverein. Bis dahin gehörten die Nordbrocker zu den Dingdener Schützenvereinen. Doch schon vor 1921 gab es in Nordbrock so etwas wie ein Schützenfest. Um 1870 scheinen auch die Nordbrocker eine „Schütterei“ unter ihren Gildemeistern gefeiert zu haben. Wilhelm Hufe weiß zu berichten, dass bei der Gründung des Nordbrocker Schützenvereins die alte Königin von 1870 noch lebte. Tanzlokal war Hof Stamm, vermutlich in Kooperation mit Köper. Hier wurde also, wie es heißt, stets in seltener Eintracht das „Geloog“ der alten „Terbröcker“ gefeiert. Später schlief diese „Schütterei“ des alten Stils still. Gründe dafür sind nicht überliefert. Die Nordbrocker scheinen dem nicht nachgetrauert zu haben, hatten sie doch Gelegenheiten genug ausgiebig zu feiern:

 

   * das „Schaddenbier“ [von Schatzung, Abgabe bei den Neuvermählten],

   * das „Prumenzechten“ [zur Zeit der Pflaumenreife],

   * die „Mispelfiern“ [bei der Mispelfeier nach den ersten Nachtfrösten],

   * die Maibaumfeiern [bei Neubauten],

   * „Fastelovent“ [Karneval],

   * die „Kerserfier“ [bei der Herstellung der Lichtmesskerze] und nicht zuletzt

   * bei den „Zechten“, einer Teilnahme aller Nordbrocker bei einer

 

Hochzeitsfeierlichkeit. So blieb es bis zum Ersten Weltkrieg. Als er zu Ende war, begannen in Deutschland die Schicksalsjahre. Mit großer Motivation begann 1914 der Krieg. Viele Tausende meldeten sich freiwillig zum Kriegsdienst. Jeder glaubte an die Kriegsschuld der Gegner und jeder zog aus, um sein bedrohtes Land zu verteidigen. 1918 endete der Krieg mit einer Niederlage in großem Chaos. Jeder war am Boden zerstört. Selbst in Nordbrock ging der Kontakt untereinander verloren; jeder hatte seine eigenen Sorgen. Jetzt besann man sich der einstigen so schönen Feste. War es nun die Freude darüber, dass jetzt endlich die schrecklichen Jahre des Krieges zu Ende gegangen waren oder war es lediglich das Bestreben anderen gleichzutun, jedenfalls kamen Anfang 1921 – als das Leben sich wieder einigermaßen normalisierte – alle Nordbrocker zusammen und riefen übereinstimmend den Schützenverein Nordbrock (seit 1924 Schützenverein St. Antonius Nordbrock) ins Leben.

Es wurde beschlossen, dass jedes Jahr ein Schützenfest gefeiert werden sollte und dieses von Hof zu Hof mit genügend vorhandenem Platz weitergegeben würde. Ein vierköpfiger Vorstand – bestehend aus: Johann Groß-Heynk [Hauptmann], Johann Hufe [Adjutant], Gerhard Frankenmölle [Feldwebel] und Johann Ritte [Vizefeldwebel] – wurde gewählt. So traf man sich im Sommer 1922 auf der großen Diele von Wilhelm Hufe. Trotz der schlechten Zeit und der Hyperinflation wurde ein schönes und harmonisches Fest gefeiert. Viele hatten es in dieser Form noch nicht erlebt. Infolge der großen Inflation sowie der Ruhrbesetzung der Franzosen [Deutschland zahlte keine Kriegsschulden] fiel 1923 das Schützenfest aus.

 

Als Orte in den Folgejahren dienten die Scheunen von: Buchmann (1924), Schweers (1925), Hartmann (1926), Groß-Langenhoff (1927), usw. Von 1951 bis 1962 stellt Jahr für Jahr Bernhard Groß-Langenhoff, ein großer Gönner des Vereins, seine Räume für den Verein zur Verfügung. Seit 1963 hat auch Nordbrock für die Feier ein Zelt. Die jeweiligen Austragungsorte der Feste sowie die Königspaare sind der Festschrift des Schützenvereines zu entnehmen. Ich füge die Königs- und Thronpaare ab 1996 am Ende des Kapitels auf. Feststehende Termine hatten die Vereinsbrüder von Nordbrock für ihre Feiern nicht. Die Tage wurden jeweils auf einer Generalversammlung festgelegt. Später ging man dazu über, den Muttertag zum Schützenfesttag zu erheben.

In den Protokollbüchern sind auch die Namen einiger Vereinskapellen verzeichnet, so 1949 die Ringenberger Kapelle und 1950 sowie 1951 die Musikkapelle von Lankern vereint mit dem Tambourcorps Lankern.

Vereinswirt war beim ersten Fest Bernhard Küpper aus Dingden. Ab 1927 übernahm stets der Wirt Albert Schlebusch aus Nordbrock die Bewirtung der Gäste. Er eröffnete im gleichen Jahr in Nordbrock eine Gastwirtschaft. Noch heute ist die Gaststätte das Vereinslokal der Schützen.

Wirtschaft Schlebusch um 1950

Die hohe Arbeitslosenquote sorgte in den Städten gegen Ende der 20-er Jahre für große Unruhe. In den Landgemeinden und Bauerschaften spürte man hiervon nicht viel. Einschneidendes Erlebnis war aber die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933.

Zwar beschloss man einstimmig, eine Schützenfahne anzuschaffen, doch waren viele stark enttäuscht als dann die Fahnenweihe war. Unter der Leitung der SA war der Weiheakt sehr „bräunlich gefärbt“. Im Anschluss der Weihe trat ein SA-Mann ans Rednerpult und hielt eine Ansprache. Als dieser die Gegner der NS-Regierung als Bonzen und Verräter titulierte, verliefen die nachfolgenden Schützenfeste nicht mehr in der gewohnten Harmonie.

Diese am 10. September 1933 eingeweihte Fahne wurde im Rahmen des Schützenfestes auf dem Hof Buchmann vom Dingdener Amtmann Dörner enthüllt. Erster Fähnrich wurde Heinrich Möllmann. Folgender Spruch – aus der Feder von Alois Bengeforth – zierte das neue Vereinsbanner:

Nordbrock, dat kleine Stücksken Land, steht fast ass ne Eicke to Gott un Vaterland. Daneben waren die Nordbrocker Wahrzeichen (Kapelle, Schule und Gaststätte Schlebusch) auf der Fahne vertreten.

Das erste Fest nach dem Krieg war 1948 auf den Hof Hermann Terhorst. Zwar wurde kein Schützenfest, aber zum ersten Mal wieder zusammen in der Gemeinschaft aller Nordbrocker, gefeiert. Ab 1949 fanden dann wieder Schützenfeste statt, es wurde aber zuerst nur mit der Armbrust geschossen. Jede Art von anderen Waffen war von der alliierten Militärregierung verboten. [Übrigens: 1939 wurde der König durch Scheibenbeschuss in der Wirtschaft bestimmt und 1952 schoss man mit einem Kleinkaliber.]

1950 wurde die Vereinsdoppelspitze bestehend aus Major und Hauptmann eingeführt. Der bisherige Hauptmann Josef Groß-Heynk wurde dabei zum Major befördert. [Als seine Amtszeit 1960 ablief, erhielt er für seine 25-jährige Vorstandsarbeit einen besonderen Orden und wurde für seine Verdienste zum Ehrenpräsidenten ernannt.]


Da die Engländer nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges alle Vereinsfahnen und sonstigen Banner, die sie finden konnten, beschlagnahmten, war auch die Nordbrocker Schützenfahne konfisziert worden. Daher beschloss der Verein 1950 ein neues Vereinsbanner anzuschaffen. Diese neue Fahne wurde am 10. Juni 1951 bei dem Schützenfest feierlich eingeweiht und ist auch noch heute im Einsatz. Unter der Überschrift „Fahnenweihe beim Schützenverein Nordbrock“ war im Bocholter- Borkener Volksblatt vom 12. Juni 1951 nachfolgender Artikel zu lesen, den ich gekürzt wiedergebe:

„Die Fahnenweihe bei der St. Antonius-Schützenbruderschaft in Nordbrock wurde zu einem frohen Erlebnis aller Teilnehmer und zu einem Festtag der Bauerschaft Nordbrock, die auf eine 30jährige Tätigkeit der Schützen in Einigkeit und Brüderlichkeit zurückblicken kann. Seit Wochen wurde das große Fest vorbereitet. Am Vortage regten sich fleißige Hände, um alles festlich zu ordnen und zu schmücken. Am Festtag strömten die Schützenbrüder der Nachbarvereine Nordbrock zu, um an der Fahnenweihe teilzunehmen.

Trotz dem schlechten Wetter fanden sich die Nachbarvereine, wie der Männer- Schützenverein Dingden, die Schützenvereine aus Lankern und Berg, der Junggesellenschützenverein Dingden, der Antonius-Schützenverein Bocholt und der Crommerter Schützenverein mit ihren Mitgliedern ein. Im Festzug bemerkte man u. a. Bürgermeister Klein-Hitpaß, Gemeindedirektor Rövekamp, Landrat Dr. Schneemann und Ministerialrat a. D. Neuhaus. Nach dem Ausholen des alten Königspaares ging es mit klingendem Spiel zur Festwiese bei Rittmann, wo die Fahnenweihe anschließend stattfand.

Gemeinderatsmitglied Johann Hufe eröffnete die Feierstunde und hieß alle Vereine und Gäste herzlich willkommen. Er betonte, daß die alte Fahne des Nordbrocker Schützenvereins in den Fronttagen des Jahres 1945 verloren gegangen sei. Dank der Rührigkeit des Vorstandes und jetzigen Vorsitzenden konnte eine neue Fahne wiederbeschafft werden. (...) In seinen weiteren Ausführungen betonte Hufe, daß Zusammengehörigkeitsgefühl aller Eingesessenen und die Einigkeit stets oberstes Ziel gewesen sei. Diese alte Tradition verpflichte noch heute ein jedes Mitglied und nicht zuletzt auch alle Gemeindeeinwohner. (...)

Gemeindedirektor Rövekamp betonte, daß es ihm eine Freude sei, an der Fahnenweihe des Vereins teilzunehmen und daß er der Einladung zu dieser Feierstunde gern nachgekommen sei. Die neue Fahne werde allen Ansporn zur Einigkeit sein. Die heutige Generation verpflichte sich, diese alte Tradition der kommenden in unverfälschter Form zu überliefern.

Nach einem sinnvoll vorgetragenen Prolog enthüllte Bürgermeister Klein-Hitpaß die neue Fahne. Er sprach seinen Dank und die Anerkennung für die stolze Überlieferung und Traditionsbewahrung aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die neue Fahne dem Verein Symbol und Wegweiser werden möge. In diesem Sinne sprach auch Landrat Dr. Schneemann den Festteilnehmern zu. Die weiteren Überreichungen der Fahnennägel durch die erschienenen Nachbarvereine legten Zeugnis der innigen Verbundenheit und Einigkeit unter den Schützenbruderschaften ab. Der Vorsitzende des Vereins, Josef Groß-Heynk, fand abschließend herzliche Dankesworte, besonders aber auch für alle, die zur Anschaffung der Fahne beigetragen haben.

Gemeinsam erlebten die Gäste und Gemeindeeinwohner Stunden der Freuden auf der Festtenne des Bauern Groß-Langenhoff.

Am Montagmorgen gedachte man ganz besonders der Gefallenen und Verstorbenen der Gemeinde. In großer Zahl hatten sich die Einwohner in der Kapelle eingefunden. Hier erhielt die neue Fahne die kirchliche Weihe.“

Im Anschluss an den Gottesdienst fand erstmalig nach dem Zweiten Weltkrieg wieder die Gefallenenehrung mit der Kranzniederlegung vor dem Kreuz vor der Kapelle statt.

Nordbrocks Schützenfahne

Die Generalversammlung 1952 beschloss, für die Königsplaketten eine Kette anzuschaffen; auch rückwirkend für ehemalige Königspaare. Diese Kette besteht unter anderem aus den Plaketten der letzten 16 Könige. Passend zur Königskette wurde ein Diadem für die Königin erworben. Beides bildet eine harmonische Einheit und symbolisiert die Ehrung des amtierenden Königspaares. 1952 stellte der Verein auch das Mahnmal an der Kapelle fertig, das 1967 durch ein neues Kriegerdenkmal ersetzt wurde (siehe Chronik der Kapelle). Im Jubiläumsjahr 2001 initiierte der Vorstand die Neufassung der Vereinssatzung. Lange schon hat die alte Satzung kaum noch aktuelle Bedeutung. Auf den Mitgliederversammlungen wurden einzelne Passagen jeweils angepasst und schriftlich festgehalten, ohne aber die gesamte Satzung jeweils neu abzufassen. Die neuen Statuten lösen damit das wackelige Gebilde ab. Beschlossen wurde die neue Satzung auf der Generalversammlung am 5. Januar 2002.

Auffällig ist, dass keine Pferde im Zug geführt werden. Seit 1966 wird darauf verzichtet. Durch den Einsatz von Maschinen in der Landwirtschaft fehlen Pferde auf den Höfen. Zum anderen verzichtete man aus Sicherheitsgründen auf ihre Mitführung.

Schützenfest 1994: Antreten bei strahlendem Wetter Zu den Höhepunkten der Vereinsgeschichte zählen das 50- und das 75-jährige Jubiläum des Nordbrocker Vereins. Um 1971 und 1996 diese Schützenfeste besonders hervorzuheben, veranstaltete man aus diesen Anlässen ein Kaiserschießen, bei dem sich alle noch lebenden Könige in der Geschichte des Vereins um die Kaiserwürde bewarben. 1971 ging Alfons Möllmann, 1996 Bernhard Ellering als Kaiser aller Könige hervor. Passend zum Jubiläum 1996 brachte der Verein eine Festschrift heraus, die einen Rückblick auf die Vereinsgeschichte gibt.

Parade des alten und neuen Kaiserpaares

Das alljährliche Sommerfest der Nordbrocker Antonius-Schützen findet seit 1971 regelmäßig statt und wird jährlich auf einem anderen Gehöft gefeiert. Ein Beitrag der Mitglieder des Schützenvereins stellt die Finanzierung des Festes sicher. Aus dem Gemeindeleben ist dieses Fest nicht mehr wegzudenken. Für die Nordbrocker Kinder und Jugendlichen wurde erstmals 1980 ein Kinderschützenfest veranstaltet. Weil es großen Anklang fand, wird es – wie das Sommerfest – jedes Jahr auf einem anderen Hof einer Nordbrocker Familie veranstaltet. Das erste Kinderschützenfest feierte Nordbrock auf dem Hof der Familie Wellmann. Wilhelm Wellmann setzte sich besonders für diese Feierlichkeit ein und förderte die Kinderschützenfeste immer.