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Geschichte des St. Antonius Schützenvereines Nordbrock

Gründung des Vereines

1921 gründete Nordbrock einen eigenen Schützenverein. Bis dahin gehörten die Nordbrocker zu den Dingdener Schützenvereinen. Doch schon vor 1921 gab es in Nordbrock so etwas wie ein Schützenfest. Um 1870 scheinen auch die Nordbrocker eine „Schütterei“ unter ihren Gildemeistern gefeiert zu haben. Wilhelm Hufe weiß zu berichten, dass bei der Gründung des Nordbrocker Schützenvereins die alte Königin von 1870 noch lebte. Tanzlokal war Hof Stamm, vermutlich in Kooperation mit Köper. Hier wurde also, wie es heißt, stets in seltener Eintracht das „Geloog“ der alten „Terbröcker“ gefeiert. Später schlief diese „Schütterei“ des alten Stils still. Gründe dafür sind nicht überliefert. Die Nordbrocker scheinen dem nicht nachgetrauert zu haben, hatten sie doch Gelegenheiten genug ausgiebig zu feiern:

 

   * das „Schaddenbier“ [von Schatzung, Abgabe bei den Neuvermählten],

   * das „Prumenzechten“ [zur Zeit der Pflaumenreife],

   * die „Mispelfiern“ [bei der Mispelfeier nach den ersten Nachtfrösten],

   * die Maibaumfeiern [bei Neubauten],

   * „Fastelovent“ [Karneval],

   * die „Kerserfier“ [bei der Herstellung der Lichtmesskerze] und nicht zuletzt

   * bei den „Zechten“, einer Teilnahme aller Nordbrocker bei einer

 

Hochzeitsfeierlichkeit. So blieb es bis zum Ersten Weltkrieg. Als er zu Ende war, begannen in Deutschland die Schicksalsjahre. Mit großer Motivation begann 1914 der Krieg. Viele Tausende meldeten sich freiwillig zum Kriegsdienst. Jeder glaubte an die Kriegsschuld der Gegner und jeder zog aus, um sein bedrohtes Land zu verteidigen. 1918 endete der Krieg mit einer Niederlage in großem Chaos. Jeder war am Boden zerstört. Selbst in Nordbrock ging der Kontakt untereinander verloren; jeder hatte seine eigenen Sorgen. Jetzt besann man sich der einstigen so schönen Feste. War es nun die Freude darüber, dass jetzt endlich die schrecklichen Jahre des Krieges zu Ende gegangen waren oder war es lediglich das Bestreben anderen gleichzutun, jedenfalls kamen Anfang 1921 – als das Leben sich wieder einigermaßen normalisierte – alle Nordbrocker zusammen und riefen übereinstimmend den Schützenverein Nordbrock (seit 1924 Schützenverein St. Antonius Nordbrock) ins Leben.

Es wurde beschlossen, dass jedes Jahr ein Schützenfest gefeiert werden sollte und dieses von Hof zu Hof mit genügend vorhandenem Platz weitergegeben würde. Ein vierköpfiger Vorstand – bestehend aus: Johann Groß-Heynk [Hauptmann], Johann Hufe [Adjutant], Gerhard Frankenmölle [Feldwebel] und Johann Ritte [Vizefeldwebel] – wurde gewählt. So traf man sich im Sommer 1922 auf der großen Diele von Wilhelm Hufe. Trotz der schlechten Zeit und der Hyperinflation wurde ein schönes und harmonisches Fest gefeiert. Viele hatten es in dieser Form noch nicht erlebt. Infolge der großen Inflation sowie der Ruhrbesetzung der Franzosen [Deutschland zahlte keine Kriegsschulden] fiel 1923 das Schützenfest aus.

 

Als Orte in den Folgejahren dienten die Scheunen von: Buchmann (1924), Schweers (1925), Hartmann (1926), Groß-Langenhoff (1927), usw. Von 1951 bis 1962 stellt Jahr für Jahr Bernhard Groß-Langenhoff, ein großer Gönner des Vereins, seine Räume für den Verein zur Verfügung. Seit 1963 hat auch Nordbrock für die Feier ein Zelt. Die jeweiligen Austragungsorte der Feste sowie die Königspaare sind der Festschrift des Schützenvereines zu entnehmen. Ich füge die Königs- und Thronpaare ab 1996 am Ende des Kapitels auf. Feststehende Termine hatten die Vereinsbrüder von Nordbrock für ihre Feiern nicht. Die Tage wurden jeweils auf einer Generalversammlung festgelegt. Später ging man dazu über, den Muttertag zum Schützenfesttag zu erheben.

In den Protokollbüchern sind auch die Namen einiger Vereinskapellen verzeichnet, so 1949 die Ringenberger Kapelle und 1950 sowie 1951 die Musikkapelle von Lankern vereint mit dem Tambourcorps Lankern.

Vereinswirt war beim ersten Fest Bernhard Küpper aus Dingden. Ab 1927 übernahm stets der Wirt Albert Schlebusch aus Nordbrock die Bewirtung der Gäste. Er eröffnete im gleichen Jahr in Nordbrock eine Gastwirtschaft. Noch heute ist die Gaststätte das Vereinslokal der Schützen.

Wirtschaft Schlebusch um 1950

Die hohe Arbeitslosenquote sorgte in den Städten gegen Ende der 20-er Jahre für große Unruhe. In den Landgemeinden und Bauerschaften spürte man hiervon nicht viel. Einschneidendes Erlebnis war aber die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933.

Zwar beschloss man einstimmig, eine Schützenfahne anzuschaffen, doch waren viele stark enttäuscht als dann die Fahnenweihe war. Unter der Leitung der SA war der Weiheakt sehr „bräunlich gefärbt“. Im Anschluss der Weihe trat ein SA-Mann ans Rednerpult und hielt eine Ansprache. Als dieser die Gegner der NS-Regierung als Bonzen und Verräter titulierte, verliefen die nachfolgenden Schützenfeste nicht mehr in der gewohnten Harmonie.

Diese am 10. September 1933 eingeweihte Fahne wurde im Rahmen des Schützenfestes auf dem Hof Buchmann vom Dingdener Amtmann Dörner enthüllt. Erster Fähnrich wurde Heinrich Möllmann. Folgender Spruch – aus der Feder von Alois Bengeforth – zierte das neue Vereinsbanner:

Nordbrock, dat kleine Stücksken Land, steht fast ass ne Eicke to Gott un Vaterland. Daneben waren die Nordbrocker Wahrzeichen (Kapelle, Schule und Gaststätte Schlebusch) auf der Fahne vertreten.

Das erste Fest nach dem Krieg war 1948 auf den Hof Hermann Terhorst. Zwar wurde kein Schützenfest, aber zum ersten Mal wieder zusammen in der Gemeinschaft aller Nordbrocker, gefeiert. Ab 1949 fanden dann wieder Schützenfeste statt, es wurde aber zuerst nur mit der Armbrust geschossen. Jede Art von anderen Waffen war von der alliierten Militärregierung verboten. [Übrigens: 1939 wurde der König durch Scheibenbeschuss in der Wirtschaft bestimmt und 1952 schoss man mit einem Kleinkaliber.]

1950 wurde die Vereinsdoppelspitze bestehend aus Major und Hauptmann eingeführt. Der bisherige Hauptmann Josef Groß-Heynk wurde dabei zum Major befördert. [Als seine Amtszeit 1960 ablief, erhielt er für seine 25-jährige Vorstandsarbeit einen besonderen Orden und wurde für seine Verdienste zum Ehrenpräsidenten ernannt.]


Da die Engländer nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges alle Vereinsfahnen und sonstigen Banner, die sie finden konnten, beschlagnahmten, war auch die Nordbrocker Schützenfahne konfisziert worden. Daher beschloss der Verein 1950 ein neues Vereinsbanner anzuschaffen. Diese neue Fahne wurde am 10. Juni 1951 bei dem Schützenfest feierlich eingeweiht und ist auch noch heute im Einsatz. Unter der Überschrift „Fahnenweihe beim Schützenverein Nordbrock“ war im Bocholter- Borkener Volksblatt vom 12. Juni 1951 nachfolgender Artikel zu lesen, den ich gekürzt wiedergebe:

„Die Fahnenweihe bei der St. Antonius-Schützenbruderschaft in Nordbrock wurde zu einem frohen Erlebnis aller Teilnehmer und zu einem Festtag der Bauerschaft Nordbrock, die auf eine 30jährige Tätigkeit der Schützen in Einigkeit und Brüderlichkeit zurückblicken kann. Seit Wochen wurde das große Fest vorbereitet. Am Vortage regten sich fleißige Hände, um alles festlich zu ordnen und zu schmücken. Am Festtag strömten die Schützenbrüder der Nachbarvereine Nordbrock zu, um an der Fahnenweihe teilzunehmen.

Trotz dem schlechten Wetter fanden sich die Nachbarvereine, wie der Männer- Schützenverein Dingden, die Schützenvereine aus Lankern und Berg, der Junggesellenschützenverein Dingden, der Antonius-Schützenverein Bocholt und der Crommerter Schützenverein mit ihren Mitgliedern ein. Im Festzug bemerkte man u. a. Bürgermeister Klein-Hitpaß, Gemeindedirektor Rövekamp, Landrat Dr. Schneemann und Ministerialrat a. D. Neuhaus. Nach dem Ausholen des alten Königspaares ging es mit klingendem Spiel zur Festwiese bei Rittmann, wo die Fahnenweihe anschließend stattfand.

Gemeinderatsmitglied Johann Hufe eröffnete die Feierstunde und hieß alle Vereine und Gäste herzlich willkommen. Er betonte, daß die alte Fahne des Nordbrocker Schützenvereins in den Fronttagen des Jahres 1945 verloren gegangen sei. Dank der Rührigkeit des Vorstandes und jetzigen Vorsitzenden konnte eine neue Fahne wiederbeschafft werden. (...) In seinen weiteren Ausführungen betonte Hufe, daß Zusammengehörigkeitsgefühl aller Eingesessenen und die Einigkeit stets oberstes Ziel gewesen sei. Diese alte Tradition verpflichte noch heute ein jedes Mitglied und nicht zuletzt auch alle Gemeindeeinwohner. (...)

Gemeindedirektor Rövekamp betonte, daß es ihm eine Freude sei, an der Fahnenweihe des Vereins teilzunehmen und daß er der Einladung zu dieser Feierstunde gern nachgekommen sei. Die neue Fahne werde allen Ansporn zur Einigkeit sein. Die heutige Generation verpflichte sich, diese alte Tradition der kommenden in unverfälschter Form zu überliefern.

Nach einem sinnvoll vorgetragenen Prolog enthüllte Bürgermeister Klein-Hitpaß die neue Fahne. Er sprach seinen Dank und die Anerkennung für die stolze Überlieferung und Traditionsbewahrung aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die neue Fahne dem Verein Symbol und Wegweiser werden möge. In diesem Sinne sprach auch Landrat Dr. Schneemann den Festteilnehmern zu. Die weiteren Überreichungen der Fahnennägel durch die erschienenen Nachbarvereine legten Zeugnis der innigen Verbundenheit und Einigkeit unter den Schützenbruderschaften ab. Der Vorsitzende des Vereins, Josef Groß-Heynk, fand abschließend herzliche Dankesworte, besonders aber auch für alle, die zur Anschaffung der Fahne beigetragen haben.

Gemeinsam erlebten die Gäste und Gemeindeeinwohner Stunden der Freuden auf der Festtenne des Bauern Groß-Langenhoff.

Am Montagmorgen gedachte man ganz besonders der Gefallenen und Verstorbenen der Gemeinde. In großer Zahl hatten sich die Einwohner in der Kapelle eingefunden. Hier erhielt die neue Fahne die kirchliche Weihe.“

Im Anschluss an den Gottesdienst fand erstmalig nach dem Zweiten Weltkrieg wieder die Gefallenenehrung mit der Kranzniederlegung vor dem Kreuz vor der Kapelle statt.

Nordbrocks Schützenfahne

Die Generalversammlung 1952 beschloss, für die Königsplaketten eine Kette anzuschaffen; auch rückwirkend für ehemalige Königspaare. Diese Kette besteht unter anderem aus den Plaketten der letzten 16 Könige. Passend zur Königskette wurde ein Diadem für die Königin erworben. Beides bildet eine harmonische Einheit und symbolisiert die Ehrung des amtierenden Königspaares. 1952 stellte der Verein auch das Mahnmal an der Kapelle fertig, das 1967 durch ein neues Kriegerdenkmal ersetzt wurde (siehe Chronik der Kapelle). Im Jubiläumsjahr 2001 initiierte der Vorstand die Neufassung der Vereinssatzung. Lange schon hat die alte Satzung kaum noch aktuelle Bedeutung. Auf den Mitgliederversammlungen wurden einzelne Passagen jeweils angepasst und schriftlich festgehalten, ohne aber die gesamte Satzung jeweils neu abzufassen. Die neuen Statuten lösen damit das wackelige Gebilde ab. Beschlossen wurde die neue Satzung auf der Generalversammlung am 5. Januar 2002.

Auffällig ist, dass keine Pferde im Zug geführt werden. Seit 1966 wird darauf verzichtet. Durch den Einsatz von Maschinen in der Landwirtschaft fehlen Pferde auf den Höfen. Zum anderen verzichtete man aus Sicherheitsgründen auf ihre Mitführung.

Schützenfest 1994: Antreten bei strahlendem Wetter Zu den Höhepunkten der Vereinsgeschichte zählen das 50- und das 75-jährige Jubiläum des Nordbrocker Vereins. Um 1971 und 1996 diese Schützenfeste besonders hervorzuheben, veranstaltete man aus diesen Anlässen ein Kaiserschießen, bei dem sich alle noch lebenden Könige in der Geschichte des Vereins um die Kaiserwürde bewarben. 1971 ging Alfons Möllmann, 1996 Bernhard Ellering als Kaiser aller Könige hervor. Passend zum Jubiläum 1996 brachte der Verein eine Festschrift heraus, die einen Rückblick auf die Vereinsgeschichte gibt.

Parade des alten und neuen Kaiserpaares

Das alljährliche Sommerfest der Nordbrocker Antonius-Schützen findet seit 1971 regelmäßig statt und wird jährlich auf einem anderen Gehöft gefeiert. Ein Beitrag der Mitglieder des Schützenvereins stellt die Finanzierung des Festes sicher. Aus dem Gemeindeleben ist dieses Fest nicht mehr wegzudenken. Für die Nordbrocker Kinder und Jugendlichen wurde erstmals 1980 ein Kinderschützenfest veranstaltet. Weil es großen Anklang fand, wird es – wie das Sommerfest – jedes Jahr auf einem anderen Hof einer Nordbrocker Familie veranstaltet. Das erste Kinderschützenfest feierte Nordbrock auf dem Hof der Familie Wellmann. Wilhelm Wellmann setzte sich besonders für diese Feierlichkeit ein und förderte die Kinderschützenfeste immer.